Softlaser-Wirkung: Was sagt die Wissenschaft?
Fachlich eingeordnet · Letzte Aktualisierung: August 2026
Die Low-Level-Lasertherapie (LLLT, auch Softlaser- oder Photobiomodulations-Therapie) wird im Wochenbett häufig zur Unterstützung bei wunden Brustwarzen, Milchstau und Geburtsverletzungen eingesetzt. Auf dieser Seite fassen wir die aktuelle Studienlage ehrlich zusammen – mit ihren Stärken und ihren Grenzen. Denn wir sind überzeugt: Eine informierte Entscheidung ist die beste Entscheidung.
Wie soll die Softlaser-Therapie wirken?
Beim Softlaser wird gebündeltes Licht im roten Bereich (typischerweise um 650 bis 660 nm) auf die Haut gerichtet. Die gängige wissenschaftliche Hypothese: Die Lichtenergie wird von den Mitochondrien der Zellen aufgenommen und kann dort zelluläre Prozesse anregen. Es entsteht keine Wärme, kein Gewebe wird abgetragen. Diskutiert werden entzündungshemmende, durchblutungsfördernde und schmerzlindernde Effekte.
Wichtig zur Einordnung: Der genaue Wirkmechanismus bei wunden Brustwarzen ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die Softlasertherapie zählt zu den komplementären Verfahren; ihre Aussagen zu Wirkung und Wirkungszusammenhängen sind in wissenschaftlichen Fachkreisen bisher nicht allgemein anerkannt.
Was zeigen die Studien? (Pro)
- Coca et al. (2016): Eine dreifach verblindete, randomisiert-kontrollierte Studie mit stillenden Frauen (Pain Management Nursing) fand nach mehreren Lasersitzungen eine stärkere Schmerzreduktion in der Laser-Gruppe als in der Kontrollgruppe.
- de Oliveira Alves (2025): Metaanalyse über sieben randomisierte Studien mit einem positiven Gesamteffekt – bei niedriger Evidenzqualität.
- Gaitero (2026): Randomisierte Studie mit 60 Frauen, in der die Laserbehandlung besser abschnitt als die Scheinbehandlung.
- Anwendungsbeobachtungen aus Kliniken berichten über Schmerzlinderung innerhalb weniger Behandlungstage – methodisch sind das jedoch keine kontrollierten Studien, sondern Praxisbeobachtungen mit geringerer Aussagekraft.
Was zeigen die Studien? (Kontra & Grenzen)
- Gaitero (2025): Eine Metaanalyse über drei randomisierte Studien fand keinen signifikanten Unterschied zur Kontrollgruppe.
- Weitere randomisierte Studien konnten keinen klaren Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung nachweisen – insbesondere bei einzelnen Anwendungen reduzierte sich der Schmerz in Laser- und Kontrollgruppe ähnlich stark. Ein Teil der Anwenderinnen berichtete ein leichtes Kribbeln oder Stechen.
- Das unabhängige Portal Medizin-transparent (Cochrane Österreich) bewertete 2024 die verfügbaren Vergleichsstudien und kam zum Schluss, dass ein Nutzen bei wunden Brustwarzen derzeit nicht belegt ist.
Was die Studien nicht beantworten
Die untersuchten Geräte unterscheiden sich erheblich – von wenigen Milliwatt bis über 100 mW, teils mit zusätzlichem Infrarotanteil. Ob sich Ergebnisse von einem Gerät auf ein anderes übertragen lassen, ist nicht untersucht. Wer mit Studien wirbt, sollte dazusagen, mit welchem Gerät sie durchgeführt wurden.
Wir führen hier bewusst keine fachfremden Studien auf – Untersuchungen zu Rückenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom oder Tierversuche sagen über die Anwendung im Wochenbett nichts aus.
Unsere ehrliche Einordnung
Die Datenlage ist gemischt: Es gibt Hinweise auf einen möglichen Nutzen, aber keinen eindeutigen Beleg. Konsistent zeigt sich in den Studien die gute Verträglichkeit – schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf; ein vorübergehendes Kribbeln ist möglich. Der US-amerikanische LactMed-Eintrag zur Phototherapie (Stand März 2026) stuft die Lasertherapie in der Stillzeit als unbedenklich ein.
Deshalb verstehen wir die Softlaser-Therapie als mögliche ergänzende Unterstützung – niemals als Ersatz für die Ursachenbehandlung. Die mit Abstand häufigste Ursache wunder Brustwarzen ist eine nicht optimale Anlegetechnik. Der erste und wichtigste Schritt ist daher immer die Begleitung durch eine Hebamme oder Stillberaterin (IBCLC).
Sicherheit & Kontraindikationen
Die folgende Liste wenden wir vorsorglich an – sie entspricht den üblichen Ausschlusskriterien der Low-Level-Lasertherapie. Maßgeblich ist immer die Gebrauchsanweisung des jeweiligen Geräts – bitte lies sie vor der ersten Anwendung.
Wann ein Softlaser nicht angewendet werden sollte
- Herzschrittmacher: keine Bestrahlung in der Nähe des Brustkorbs oder des Schrittmachers. Für die Anwendung an der Brust heißt das: nicht anwenden.
- Schwangerschaft: keine Bestrahlung auf Bauch und unterem Brustkorb – auch dann nicht, wenn du nach der Geburt bereits wieder schwanger bist.
- Tumorerkrankung: keine Bestrahlung auf Tumoren oder bei Verdacht auf Rezidiv oder Metastasen. Ebenso nicht auf unklaren Hautveränderungen oder Muttermalen.
- Schilddrüse, Eierstöcke und Hoden werden nicht bestrahlt.
- Epilepsie (einschließlich Oligoepilepsie).
- Kinder: keine Bestrahlung von Wachstumsfugen (Epiphysen) und Röhrenknochen.
Im Zweifel besprich die Anwendung bitte vorher mit deiner Hebamme oder Ärztin.
So wendest du sicher an
- Augen: nicht in den Strahl blicken. Die Augen deines Babys während der Anwendung abwenden oder abdecken; das Gerät nicht anwenden, während du dein Baby im Arm hältst.
- Laserklasse: Bei den Klassen 2 und 2M ist keine Schutzbrille vorgeschrieben, der Lidschlussreflex des Auges schützt ausreichend. Bei Klasse 2M darf der Strahl zusätzlich nicht mit optischen Hilfsmitteln wie Lupe oder Fernglas betrachtet werden. Ab Klasse 3R gelten strengere Anforderungen.
- Abstand: Für die Flächenanwendung nennen die Hersteller meist wenige Zentimeter. Weist die Haut Oberflächenschäden auf – also bei offenen, rissigen oder nässenden Stellen –, darf die Laserspitze die Stelle nicht berühren.
- Vor jedem Gebrauch prüfen: Gehäuse unbeschädigt, Laseraustrittsöffnung frei von Schmutz. Bei sichtbaren Schäden bitte nicht verwenden.
- Nicht unter der Dusche oder in der Badewanne verwenden. Das Gehäuse nicht öffnen und das Gerät nicht verändern.
- Für Kinder unzugänglich aufbewahren – Kinder können die Gefahren eines Lasergeräts nicht einschätzen.
- Nicht in sauerstoffangereicherter Umgebung oder in Verbindung mit entzündlichen Gasen verwenden.
Wann du ärztlichen Rat brauchst
Bei Fieber, starker Rötung oder Überwärmung der Brust, Verdacht auf eine Brustentzündung (Mastitis), Eiter, klaffender Naht oder zunehmenden Schmerzen bitte Hebamme oder Ärztin kontaktieren – hier kann eine medikamentöse oder ärztliche Behandlung nötig sein. Ein Softlaser ersetzt sie nicht.
Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Bitte besprich die Anwendung mit deiner Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin und beachte die Gebrauchsanweisung des verwendeten Geräts.
Quellen: Coca KP et al. (2016), Pain Management Nursing · de Oliveira Alves (2025), Metaanalyse · Gaitero (2025), Metaanalyse · Gaitero (2026), RCT · Medizin-transparent.at, Bewertung 2024 · Cochrane Review, Dennis et al. (2014) · LactMed/NIH, Eintrag „Phototherapy“, Stand März 2026.
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Dr. Lukas Nattmann
Mamas Helfer
Sunderweg 86D
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